Otopexie – warum man nicht warten sollte

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie zeigt, dass beim Betrachten eines fremden Gesichts für gewöhnlich drei Dinge besonders hervorstechen: Augen, Nase, Mund. Anders verhält es sich, wenn das Gesicht rechts und links von frech hervorlugenden „Segelohren“ ergänzt wird – dann erweitert sich auch das Betrachtungsdreieck entsprechend. Wissenschaftlich ist hiermit bewiesen: abstehende Ohren fallen auf. Das muss noch nichts Negatives heißen. Eine weitere Studie ergab immerhin, dass abstehende Ohren zwar ausgiebigere Aufmerksamkeit erfahren, deshalb aber noch lange nicht zu einer negativen Einschätzung des Charakters führen.

Dennoch, wer mit besonders prominenten Ohren ausgestattet ist, muss über ein entsprechend großes Selbstbewusstsein verfügen und sich damit abfinden, dass seine Ohren buchstäblich die Blicke auf sich ziehen. Wer diese Blicke nicht mehr spüren mag, kann sich die Ohren operativ anlegen lassen.

Die Otopexie, wie die Ohranlegeoperation im Medizinerjargon heißt, ist eine der häufigsten Eingriffe im Bereich plastischer Chirurgie. Viele Betroffene werden schon im Kindesalter operiert.

Medizinische Fakten, soziale Aspekte und psychologische Folgen

Die erste „Schönheitsoperation“ mit sechs Jahren hinter sich zu haben, klingt hart. Ist es aber nicht. Medizinisch gesehen gibt es keinen Grund, zu warten. Das Ohr ist im sechsten Lebensjahr zu 90 % ausgewachsen. An der Form ändert sich jetzt von alleine nichts mehr. Die Krankenkassen urteilen ähnlich: aufgrund der möglichen psychischen Belastung werden die Kosten einer Operation bis zum vierzehnten Lebensjahr vollständig übernommen.

Bei der Otopexie geht es meist weniger um das Erreichen persönlicher Traummaße, sondern vielmehr um das Sicherstellen der gesellschaftlichen Akzeptanz und die Vermeidung von zermürbenden Spötteleien auf dem Schulhof. Erwachsene, die an dieser Stelle verwundert den Kopf schütteln, sollten Folgendes bedenken: Kindermund tut Wahrheit kund! Diese Wahrheit kann grausam sein, wenn der Schauplatz ein Schulhof ist und ästhetische Mängel zum Gesprächsthema werden.

Ist das Äußere im Kindesalter schon so wichtig?

Die Antwort darauf ist ein klares und unmissverständliches JA!
Die erste Sozialisierungsphase findet im Kindergarten- und Grundschulalter statt. Menschen bilden natürlicherweise kleine und größere Gemeinschaften, die auf Ähnlichkeiten beruhen und sich gegenüber Andersartigkeit abgrenzen. Dies übt sich im Kindesalter am leichtesten an drei Faktoren: Interessen, Fähigkeiten und Äußerlichkeiten. Das bedeutet bei weitem nicht, dass wir alle gleich sein müssen. Aber wir suchen nach Wiedererkennungswerten unter Gleichaltrigen, um uns mit Ihnen und damit als Gruppe identifizieren zu können. Für ein Kind stehen also erstmals wichtige Fragen im Raum:

Wer bin ich innerhalb meiner Gruppe?
Was macht diese Gruppe aus?

Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft verändert unsere Leistungsbereitschaft. Unter sozialer Aktivierung verstehen Psychologen die Tendenz, innerhalb einer Gruppe mehr zu leisten als alleine.

Im Hinblick auf unsere schnelllebige Gesellschaft und den überfüllten Schulalltag heutiger Kinder bleibt wenig Zeit für lange Reflexionen in der sozialen Entwicklung. Es wird gemeinhin erwartet, dass diese im Alter von sechs Jahren weitgehend abgeschlossen ist und fortan keiner besonderen Fürsorge mehr bedarf. Dies kann verheerende Folgen haben. Ein Kind, das von seiner Gemeinschaft ausgeschlossen wird, wird auch in seiner Leistungsfähigkeit gehemmt. Im Extremfall kann das wiederum zu schlechten Schulnoten und damit zu weiteren sozialen Hindernissen führen.

Für die psychisch ungestörte Entwicklung ist es wichtig, dass das Kind von seiner Gruppe wohlwollend aufgenommen wird und sich darin positiv zu behaupten lernt.

Mein Kind hat abstehende Ohren – was nun?

Die Form der Ohrmuschel hat nichts mit der organischen Funktionstüchtigkeit zu tun. Vor der Operation nicht und hinterher auch nicht.

Wichtig ist, dass Ihr Kind die Operation wirklich will. Sprechen Sie mit ihm darüber und zeigen Sie ihm, wie es nach der Operation aussehen könnte. Bereiten Sie Ihr Kind auch auf die Risiken und Nebenwirkungen vor. Kleine Kinder werden für gewöhnlich unter Vollnarkose operiert, um den psychischen Stress durch die Aufregung gering zu halten.

Eine Fehlstellung der Ohren kann unterschiedliche Ursachen haben. In den allermeisten Fällen jedoch liegen genetische Gründe vor. Die plastische Chirurgie kennt über hundert Möglichkeiten, eine Dysplasie des Ohrs zu korrigieren. Am häufigsten ist die Anthelixfalte schuld an der Fehlstellung – das ist die Falte, die vom mittleren Ohrrand aus schräg nach vorne oben verläuft und die Spitze des Ohrs elegant nach hinten klappt. Hinzu kommt mitunter ein Abstehen der Ohrläppchen oder in seltenen Fällen eine allgemeine Hyperplasie der Ohrmuschel, d. h. ein insgesamt zu groß geratenes Ohr. Korrigierende Maßnahmen werden meistens über einen Hautschnitt durchgeführt, der die Bearbeitung des darunterliegenden Knorpels mithilfe verschiedener Schnitt-, Ritz- und Nahttechniken ermöglicht. Allein die verhältnismäßig junge Fadentechnik kommt ohne Schnitt aus.

Dr. Giessler versteht sich als Ärztin, die von Frau zu Frau mit Ihren Patientinnen auf Augenhöhe spricht. Viele Frauen, die ihre Praxis besuchen, sind Mütter. Jede Mutter will ihre Kinder vor gesellschaftlichen Angriffen schützen. Natürlich sollte sich niemand einem irrationalen Gruppenzwang unterordnen. Doch manchmal, wie im Fall von erblich bedingten abstehenden Ohren, ist es möglich, seinem Kind bessere Chancen in der Gesellschaft zu bieten, in die es hineingeboren wurde. Sprechen Sie über Ihre Sorgen mit der Ärztin Ihres Vertrauens. Ganz im Sinne von Dr. Giesslers Einstellung – von Frau zu Frau.

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