Schönheitswahn im jungen Alter – Grenzen aufzeigen und Notwendigkeiten erkennen

Ein eigenes Pony, die neuste Spielkonsole, eine eigene Hüpfburg, das neue Smartphone, das jetzt jeder in der Schule hat oder haben muss. – So sehen manche Träume von Kindern und Jugendlichen aus, mögen sie realistisch oder unrealistisch sein. Doch was, wenn sich die Tochter mit 15 Jahren auf einmal anstatt eines Schminktischs eine Brustvergrößerung wünscht? Wie reagiert man auf solche Wünsche und vor allem: Macht ein solcher Eingriff in einem so jungen Alter überhaupt Sinn?

Model – Wahn oder seelische Belastung?

Schaut man sich Folgen von „Germany’s next Topmodel“ im Fernsehen an, so wundert man sich nicht, dass schon 16-Jährige dem Schönheitswahn verfallen. Flacher Bauch, kleine Nase, ein gut proportionierter Busen – die Liste an Dingen, welche man möglicherweise als erstrebenswert für den eigenen Körper ansieht, kann lang sein. Umso wichtiger ist es, zu differenzieren. Sind die Wünsche der Jugendlichen aus einer spontan vorgelebten Idee heraus entstanden oder ist wirklich ein seelischer Leidensdruck mit den vermeintlichen Makeln verbunden.

Jugendliche sind meist vernünftiger als Viele denken

Rund zehn Prozent aller kosmetischen Eingriffe werden an unter 20-Jährigen durchgeführt. Das zeigen bisherige Statistiken. Aber bereits 2012 wies die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie (DGPRÄC) darauf hin, dass diese zehn Prozent sich auf sämtliche plastisch-chirurgische Operationen, wie der Behandlung von Fehlbildungen der Hand oder von Folgen von Verbrennungen, bezogen. Bei lediglich 1,3 Prozent der Eingriffe handelte es sich um rein ästhetische Eingriffe. Bei den meisten dieser Behandlungen wurden Ohranlegeoperationen durchgeführt.

Laut Umfragen könnte sich jeder fünfte Jugendliche eine Schönheitsoperation vorstellen. – Diesen Wunsch in die Realität umzusetzen, daran denken aber die Wenigsten. Trotzdem kommt es ab und an zu Fällen, bei denen sich vor allem junge Mädchen wünschen, ihr Aussehen zu verändern. Hier ist dann nicht nur ein seriöser, professioneller Arzt gefragt, der mit den jungen Frauen ausführlich spricht. Vor allem die Einbeziehung der Eltern ist wichtig. Von deren Einwilligung hängt die Operation ohnehin letztendlich ab.

Gewissenhafte Entscheidungen sollten wichtiger sein als der Profit

Natürlich wäre es profitabel und sehr einfach für einen Chirurgen, den oftmals naiven Wünschen sehr junger Patienten nachzukommen, unabhängig davon, ob sie damit mehr Schaden angerichten, als dass die Operation Nutzen bringt. Oftmals ist der Körper bis zum Anfang des 20. Lebensjahres aber noch nicht vollständig entwickelt, wodurch frühe Eingriffe im Nachhinein negative Auswirkungen haben können. Daher ist es besonders wichtig, einen seriösen Chirurgen zu finden und in einem ausführlichen Vorgespräch zu klären, weshalb sich der oder die Jugendliche eine Veränderung wünscht.

Gute Ärzte nehmen ihre Patienten ernst, können sie aber auch noch um ein paar Jahre vertrösten, bis die körperliche Entwicklung vollständig abgeschlossen ist. Leider handeln nicht alle Ärzte so. – Deshalb ist wichtig, sich an einen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie zu wenden und in jeden Fall eine zweite Meinung einzuholen.

Kann ein Gesetz dem entgegenwirken?

Um eine Schönheitsoperation bei Nicht-Volljährigen zu verhindern, wurde auf politischer Ebene schon mehrfach die Verabschiedung eines Gesetzes diskutiert, welches Schönheitsoperationen bei Minderjährigen generell verbieten soll. In manchen Fällen mag dies Jugendliche zwar davor bewahren, ihrem Körper durch unnötige Eingriffe zu schaden, doch wird dabei vergessen, dass der seelische Leidensdruck der Patienten unter besonderen Umständen ein ausreichender Grund für eine OP sein kann und es dabei nicht allein um ein ästhetisches Aussehen geht.

Die Behandlung von abstehenden Ohren, wachstumsbedingten Brüsten bei jungen Männern oder zu schweren Brüsten bei Mädchen, deren Körper im Verhältnis zu klein ist, kann unter Umständen auch vor der Vollendung des 18. Lebensjahrs sinnvoll sein. Eine klare Abgrenzung zwischen ausschließlich ästhetisch begründeten und medizinisch oder psychologischen Eingriffen ist zudem meist schwierig. Daher ist es angebracht, in einem psychologischen Gespräch durch einen Experten im Vorhinein die Lage beurteilen zu lassen, welcher dann verbindlich grünes Licht geben oder eben auch davon abraten kann.

Kein Grund zur Sorge

Eltern brauchen sich in der Regel keine Sorgen machen. – Letztendlich liegt es in ihren Händen, ob den Jugendlichen eine Operation gewährt wird. Auch wenn sich der Arzt für eine Operation ausspricht. Ohne eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten kann nicht operiert werden.

Um unnötige und sogar schädigende Operationen bei Minderjährigen zukünftig zu verhindern, bedarf es der Aufklärung in der Gesellschaft sowie eines entsprechenden Gesetzes, welches beispielsweise eine psychologische Beurteilung vor einem plastisch-ästhetischen Eingriff bei Jugendlichen vorsieht.

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